Mario Venzago // Schubert: Sinfonie Nr. 8 (“Die Unvollendete”)

„Für meinen vierten Satz der Unvollendeten habe ich keine einzige Note verwendet, die nicht von Schubert ist“, sagt der Bearbeiter eines der größten Werke der spätklassischen Sinfonik Mario Venzago. Er ist keineswegs der Erste, der sich an eine Komplettierung der zweisätzigen Sinfonie aufgrund einzelner Skizzen Schuberts wagte. Seine Fassung erscheint aber im Vergleich zu William Caravans oder Tobias Hillers Versionen besonders gelungen. Bei seinen Komplettierungen des 3. und 4. Satzes (Allegro-Trio-Allegro und Allegro moderato) verwendete Venzago ausschließlich Skizzen vorhandener Schubert-Werke, die er geschickt zusammenfügte. Ohne jeden Anspruch, versteht sich, dass Schubert seine Unvollendete auch wirklich so vollendet hätte. Der Chefdirigent des Berner Symphonieorchesters ist übrigens überzeugt davon, dass Schubert das Werk in Wirklichkeit zu Ende komponiert hat. Er glaubt, die Skizzen oder gar die kompletten Partiturseiten seien nach Schuberts Tod nur verloren gegangen. Venzago bricht in seiner Bearbeitung die unverkennbare Schwere, die tragische Haltung und Bedrückung der Schubertschen Eingangssätze auf. Gerade sein dritter Satz ist hell und optimistisch. Im Finale dann schafft er eine geniale und virtuos elegante Collage aus Schuberts Musik zu „Rosamunde“, deren unverkennbare melodische Phrasen große Schubert-Fans auf jeden Fall im Ohr haben.

Sony Classical CD 88985431382 // ab 09.06.2017 im Handel