René Jacobs & Akademie für Alte Musik // Mozart: Die Entführung aus dem Serail

René Jacobs und Akademie für Alte Musik - Die Entführung aus dem SerailMozarts Opern hat der belgische Topstar der Alten-Musik-Szene René Jacobs fast alle eingespielt, sogar das Frühwerk „La finta giardiniera“. Nur das Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ fehlte bislang in seiner Sammlung. Vielleicht auch deshalb, weil das Stück mit seinen vielen gesprochenen, nicht selten gestelzten Dialogen und seiner Klischeehaftigkeit in der Darstellung orientalischer Lebenswelten durchaus Fragen aufwirft. Darum hat sich Jacobs dazu entschlossen, die gewohnten Striche der Dialogpartien komplett aufzulösen. Dadurch präsentiert sich die „Entführung“ überraschend anders, ja wird noch frischer vom Geist der Aufklärung durchweht und enthält manche auf die Zeitpolitik 18. Jahrhunderts zielende Bemerkungen.

Musikalisch ist René Jacobs mit der Akademie für Alte Musik Berlin und Sängern wie Robin Johannsen als Konstanze und Maximilian Schmitt als Belmonte ein großer Wurf gelungen. Nervöses Zittern schon in der Ouvertüre, polternde Tuttischläge und blitzende Triangelschläge, dann wieder plötzliche Rücknahmen und kammermusikalische Feinstickerei prägen sein Mozart-Bild. Wunderbar sind die vibratolosen Holzbläsercrescendi und das Hammerklavier im Continuo. Viel zu schmunzeln gibt es bei den Auseinandersetzungen der Dauerstreithähne Pedrillo, den Julian Prégardien mit viel Witz singt, und dem selbstüberzeugten Osmin (Dimitry Ivashchenko).

René Jacobs & Akademie für Alte Musik Berlin – Die Entführung aus dem Serail (Harmonia Mundi) 2CD HMC 902214 // ab 16.10.2015 im Handel