Friedrich Gulda // Diabelli Variationen

Friedrich GuldaDass Friedrich Gulda nicht nur eine hörenswerte, sondern stets auch eine sehenswerte Persönlichkeit war, haben schon viele Filmaufzeichnungen bewiesen. Für spektakuläre Events und den Kampf gegen das Kulturestablishment war Gulda immer zu haben. Gulda war ein Künstler, der das Extreme liebte. Von Beethovens Diabelli-Variationen, die ihrerseits Extreme ausloten, fühlte er sich ebenso magisch angezogen wie von Mozarts und Bachs Werken, die er zu einzigartigen, oft auch polarisierenden Interpretationen brachte. Es verwundert kaum, dass der Musikjournalist Joachim Kaiser in den Sechzigerjahren über Guldas Beethoven-Interpretationen schrieb: „Er spielt den sprechendsten, natürlichsten, fesselndsten und reinsten Beethoven unseres Jahrzehnts.“ Der Eindruck entsteht, weil Gulda kein Pardon kennt. Von Hörkonventionen hat sich dieser Pianist noch nie leiten lassen. Was er spielt, atmet eine Unmittelbarkeit und Spontanität, die ihresgleichen sucht. Aber nicht nur das. Gulda ergründet mit allen Seiten seines Intellekts den Geist dieser Komposition, die über den Anspruch eines klassischen Variationswerks weit hinausreicht, ja die Grenzen dieser Gattung sprengt. Der legendäre Label-Gründer von MPS, Hans Georg Brunner-Schwer, hängte die Mikrofone unmittelbar über die Klaviersaiten, um den Klang so direkt wie möglich einzufangen. Vorsichtig bearbeitete der Mastering Engineer Christoph Stickel die alten Aufnahmen für diese CD.

Friedrich Gulda – Diabelli Variationen (MPS/Edel) LP 0300722MSW / CD 0300723MSW // ab 18.03.2016 im Handel