Ksenija Sidorova // Carmen

03_SidorovaCarmen-Fantasien und Carmen-Bearbeitungen gibt es viele. Eine Version für Akkordeon und Band, ja sogar für Akkordeon und ein großes Sinfonieorchester, wie sie die lettische Akkordeonistin Ksenija Sidorova auf ihrem DG-Debütalbum hier  vorlegt, ist aber ein absolutes Novum. Bizets Opernvorlage mit ihren weltberühmten Melodien dient Sidorova dabei nur als Folie. Es entsteht etwas grundlegend Eigenes, Apartes und Fantastisches. Zuweilen hat man das Gefühl, sich unendlich weit von Bizets Original zu entfernen, dann wieder lenken Motive und Elemente des Werks den Hörer wieder zurück zum eigentlichen Thema des Albums. Unterstützt von Musikern unterschiedlichster Provenienz wie Michael Abramovich, Itamar Doari, Nuevo Mundo und dem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra schafft Sidorova eine rein instrumentale Carmen-Fantasie. „Der größte Unterschied zwischen der Oper und meiner Version besteht darin“, erklärt die 28-jährige Lettin mit russischen Wurzeln, „dass es auf dem Album keine Sängerin gibt. Ich selbst bin Carmen.“ Das Akkordeon nutzt Sidorova als Medium, über das sie als Figur spricht und singt. Das Akkordeon, schwärmt die attraktive Solistin, habe ja Möglichkeiten wie eine Singstimme. Die musikalische Vielfalt der 17 Carmen-Adaptionen kommt vor allem dadurch zustande, dass Sidorova so verschiedene Musiker für dieses Album zusammengetrommelt hat. Einige kommen nämlich aus dem Jazz, andere wieder aus der Weltmusik, wohingegen die Orchesterparts ganz dem klassisch-romantischen Klangbild nacheifern. All das ergibt eine Mischung, die der schwer greifbaren und geheimnisvollen Carmen-Figur sehr nahe kommt.

Ksenija Sidorova empfindet Carmen als einen freien und mutigen Geist. „Ich glaube, sie ist genauso stark wie ein Mann“, sagt die Akkordeonistin. „Sie ist sehr temperamentvoll und wie ein Wirbelsturm der Gefühle.“

Ksenija Sidorova – Carmen (Deutsche Grammophon/Universal Music) CD 4795224 // ab 03.06.2016 im Handel