Anna Prohaska // Serpent & Fire-Opernarien

12_ProhaskaDie österreichisch-britische Koloratursopranistin Anna Prohaska hat sich für ihr aktuelles Album „Serpent & Fire“ barocke Arien ausgewählt, die aus berühmten Frauengestalten der Antike gewidmeten Opern Händels, Graupners, Purcells oder Hasses stammen. Dabei lassen sich sogar zwei Opernausschnitte, die der karthagischen Königin Dido gewidmet sind, direkt miteinander vergleichen. Mit seiner knapp einstündigen Oper „Dido and Aeneas“ hatte Henry Purcell die in der Operngeschichte wohl kürzeste Adaption des Stoffes geschaffen. Innig und ergreifend singt Prohaska die Schlussarie der vom Trojaner Aeneas verlassenen und dem Tod geweihten Königin „Denk an mich zurück, doch vergiss mein Schicksal“. Es ist ein Flehen, aber auch ein Bekenntnis, das im inneren Ohr und im Herzen noch lange nachklingt. Und es ist eine Dido-Arie, die sich von Christoph Graupners heiter gestimmter, lebendiger Arie „Holdestes Lispeln der spielenden Fluten“ aus seiner Oper „Dido, Königin von Karthago“ deutlich unterscheidet. Das Anna Prohaska begleitende Barockensemble Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini verleiht dieser Musik eine packende Akzentuierung und Dynamik und natürlich eine Phrasierung nach allen Regeln historischer Aufführungspraxis.
Mit einer tänzerischen Blockflötenmelodie beginnt die entschlossen gesungene Arie „Non voglio amar“ aus Antonio Sartorios Oper „Giulio Cesare in Egitto“, einem Sujet, dem sich ja auch Händel zugewandt hatte. Wie immer bei Händel bebt das musikalische Geschehen in den Arien „Che sento“ und „Se pieta“ aus seinem Cesare-Drama förmlich, und der Sängerin wird Raum gegeben, ihr ganzes Leiden und Lieben mit Inbrunst zum Ausdruck zu bringen. Arien aus Matthew Lockes Oper nach Shakespeares unverwüstlicher Vorlage „The Tempest“ und die Arien „A Dio regnio“ aus der Oper „La Cleopatra“ vom Venezianer Daniele da Castrovillari zeigen darüber hinaus Prohaskas unglaubliche Ausdrucksvielfalt.

Prohaska,Anna/Antonini,Giovanni./Il Giardino Armonico – Serpent & Fire-Opernarien (Alpha/note 1 music) CD ALP250 // ab 03.06.2016 im Handel