Thielemann & Bayreuther Festspielorch. // Wagner: Tristan und Isolde

0044007352540-0600px-frontAcht Jahre hatte Katharina Wagner, die Urenkelin Richard Wagners, nach ihrer Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ am Grünen Hügel verstreichen lassen, bevor sie sich mit einer Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ in Bayreuth 2015 wieder aus der Deckung wagte. Eine Inszenierung müsse man spüren, hatte sie im Interview einmal gesagt, und meinte damit, dass keineswegs nur der Kopf dabei leiten solle, sondern vor allem das Herz. Welche Wagner-Oper eignet sich besser dazu, dies in die Tat umzusetzen, als ausgerechnet „Tristan und Isolde“? Das Drama um zwei Liebende, die nicht zueinander finden dürfen, der Macht der Gefühle aber unterlegen sind, brachte Wagner aus einem sehr femininen Betrachtungswinkel auf die Bühne. Ihr König Marke (Georg Zeppenfeld) ist kein leidender Verschmähter, sondern ein brutaler Macho, Stephen Gould singt den Tristan mit ungebrochen männlicher Attitüde und Evelyn Herlitzius’ Isolde ist einfach nur ergreifend. Der berühmte 2. Aufzug spielt nicht auf der Burg von Cornwall, sondern in einem Kerker voller eiserner Jungfrauen. Christian Thielemann am Pult des Bayreuther Festspielorchesters erlebte eine Sternstunde seiner Karriere. In großen Bögen und voller Kontraste schuf er sowohl ein pastoses, zu wuchtigen Steigerungen stets bereites Klangbild als auch fast schon impressionistische Farbmischungen.

Christian Thielemann & Bayreuther Festspielorchester – Wagner: Tristan und Isolde (Deutsche Grammophon/Universal Music) Blu-ray Disc 0735254 / 2DVD 0735251 // ab 08.07.2016 im Handel