Kaufmann, Welser-Möst, Wiener Philh. u.a. //  Beethoven: Fidelio

0888751935198-0600px-frontClaus Guths „Fidelio“-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen 2015 gehört wohl zu den radikalsten und aufregendsten der jüngeren Zeit. Die oft lähmenden, holprigen Sprechdialoge hatte der Regisseur gleich ganz gestrichen und durch wummernde Geräuscheinblendungen ersetzt, die Beethovens Hörwahrnehmung während der Arbeit an seiner einzigen Oper andeuten sollten. Als neun Jahre nach der Uraufführung die überarbeitete Fassung seines „Fidelio“ 1814 zur Uraufführung kam, benutzte Beethoven bereits Hörrohre. Neben Adrienne Pieczonka als Leonore war Jonas Kaufmann der umjubelte Star der Salzburger Produktion. Sein im Kerker dahinsiechender Florestan wirkt zutiefst gebrochen. Kaufmann singt ihn ohne jede Heldenattitüde, und doch ist der Wunsch des Leidenden nach Freiheit in jedem Ton spür- und nachvollziehbar. Hell und schlank klingt Kaufmanns Stimme auch in den heiklen Höhen dieser gefürchteten Partie. „Die Welt“ schrieb voller Begeisterung über Kaufmanns hochsensible Anlage: „Kaufmann verströmt strahlendes Sängerglück“. Großen Anteil am Erfolg dieser Aufnahme haben aber auch die Wiener Philharmoniker, die unter Franz Welser-Möst zu einem wunderbar leichten, schon in der Ouvertüre fast schwebend entrückten Beethoven-Klangbild finden. Michael Beyer fängt mit seiner Kameraführung bei dieser DVD-Liveaufnahme die drastischen Schwarz-Weiß-Kontraste der Bühne ein, zu denen auch klug erdachte Licht- und Schatteneffekte gehören.

Kaufmann, Welser-Möst, Wiener Philharmoniker u.a. –  Beethoven: Fidelio (Sony Classical Blu-ray Disc 88875193529 / 2DVD 88751935198 // ab 08.07.2016 im Handel