Lang Lang // New York Rhapsody

45_lang_langMusik kann Städte prägen, und umgekehrt prägen Städte natürlich auch die Musik, die innerhalb ihrer Mauern geschrieben wurde oder hier außergewöhnliche Aufführungen erlebt hat. Das gilt, um nur einige Beispiele zu nennen, sowohl für die Strauß-Walzer oder die Zither-Melodie zum Orson-Welles-Film „Der dritte Mann“ in Bezug auf Wien als auch für Elgars „Pomp and Circumstances Marches“ in Bezug auf London. Auch New York hat seine Musikgeschichte und, fragt man den chinesischen Pianisten Lang Lang, sogar eine sehr reiche, eigenwillige und weltbewegende. „Ich wollte unbedingt eine musikalische Hommage machen an die Stadt, die ich liebe“, sagt er zu seinem aktuellen Album „New York Rhapsody“. In New York bewohnt Lang Lang schon seit einiger Zeit eine Wohnung und beobachtet die musikalische Entwicklung genreübergreifend. „Diese Stadt hat den Gang der Musikgeschichte mehr beeinflusst als jede andere in den letzten hundert Jahren“, so Lang Lang weiter. „Jenseits aller Worte hat sie mich inspiriert und bereichert. Sie wurde so meine Heimat außerhalb der Heimat.“ Eingerahmt werden die Tracks von Musik des gebürtigen New Yorkers Aaron Copland. Vince Mendoza hat die Stücke „Story of Our Town“ und das letzte Werk des bedeutenden amerikanischen Komponisten kurz vor dem endgültigen Ausbruch seiner Alzheimer-Erkrankung, „In Evening Air“, für Keyboard, Klavier, Orchester und Geräuschzuspielungen kongenial arrangiert. Von Lou Reeds berühmtem Konzeptalbum „New York“ adaptierten der Produzent Larry Klein und Lang Lang den Song „Dirty Blvd.“ und verknüpften ihn mit Leonard Bernsteins „Somewhere“ aus der „West Side Story“. Es gibt eine Reihe sehr emotionaler romantischer Titel auf der neuen CD „New York Rhapsody“. So zum Beispiel den von Jason Isbell gesungenen Titel „New York Morning“ von Elbow, eine tief empfundene Liebeserklärung an die Stadt, die immer wieder so harte Schicksalsschläge verkraften musste. Die afroamerikanische Soul- und R&B-Sängerin und Songwriterin Andra Day singt, sensibel von Lang Lang und Orchester begleitet, Alicia Keys’ Welthit „Empire State of Mind”. Ein zentraler Titel des Albums aber ist zweifellos Gershwins Megahit „Rhapsody in Blue“ in einem Neu-Arrangement für zwei Klaviere und Orchester, bei dem sich Lang Lang den Klavierpart mit keinem Geringeren als Herbie Hancock teilt. Auf einem New-York-Album darf ein Filmmusikklassiker wie „Moon River“ aus „Breakfast at Tiffany’s“ natürlich nicht fehlen, das unvergessene Meisterwerk von Henry Mancini. Die nervöse Unruhe einer Großstadt, in der man von einem Termin zum nächsten hetzt und um die Zeit für einen Burger zum Stillen des Hungers kämpfen muss, ist das Thema von „New York Minute“. Einen witzigen Einfall hatte Larry Klein bei seiner Fassung des „Spider-Man“-Themas. Hier nämlich treten Lang Lang und die amerikanische Geigerin Lindsey Stirling als konkurrierende Superhelden an. „Die Entwicklung und Aufnahme dieses Albums“, berichtet Larry Klein, „waren eine Herausforderung. Lang Lang und ich kommen aus ganz unterschiedlichen Teilen des musikalischen Kontinuums, und es musste einer den jeweils anderen zuerst etwas lehren, bevor wir den Punkt finden konnten, an dem sich unsere Welten kreuzen und wo das entstehen kann, was wir suchten: eine originäre, unverbrauchte Stimme, die zeitlos und zugleich ganz neu erscheint.“

Lang Lang – New York Rhapsody (Sony Classical) CD 88985332922 / 2LP 88985332931 (21.10.) // ab 16.09.2016 im Handel