Lucas Debargue // Bach, Beethoven, Medtner

14_debargueDas Debütalbum des französischen Pianisten mit der wohl ungewöhnlichsten Künstlerbiografie in diesem Fach war kürzlich erst eine Live-Aufnahme. Nun legt Lucas Debarque sein zweites Album, diesmal allerdings eine Studioaufnahme, bei Sony Classical vor. Und wieder spart der junge Mann, der aus einer unmusikalischen Familie stammt, erst mit zehn Jahren als Autodidakt zum Klavier fand und seit seinem Durchbruch beim Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb das Publikum polarisiert, kaum mit Überraschungen. Neben Bachs Toccata c-Moll BWV 911, die Debargue bei Konzerten gern als „mentales Aufwärmtraining“ spielt, und Beethovens Klaviersonate Nr. 7 op. 10 Nr. 3 D-Dur setzt Debargue die frühe Klaviersonate f-Moll op. 5 des 1951 gestorbenen und derzeit von vielen Pianisten wieder intensiver gespielten Russen Nikolai Medtner an den Schluss. Medtners Sonate op. 5 war jenes Werk, das Debargue beim Tschaikowski-Wettbewerb in der zweiten Runde die Herzen des Publikums und besonders der „Vereinigung der Moskauer Musikkritiker“ nur so zufliegen ließ. Debargues Interpretationen können wegen ihrer oft unerwarteten Freiheiten, der Spontaneität und kraftvollen Leidenschaftlichkeit durchaus auch irritieren, die Intelligenz und innere Logik seines Stils ist indes unerhört packend. Dunkel und in typisch russischer Melodik beginnt Medtners Sonate, die dann aber nach wenigen Takten wie ein Vulkan ausbricht.

Lucas Debargue – Bach, Beethoven, Medtner (Sony Classical) CD 88985341762 // ab 23.09.2016 im Handel