Concerto Köln // The Four Seasons

22_concertokoelnDas sklavische Reproduzieren von Notentexten hat großen Musikern, auch wenn sie sich stets so nah wie möglich an den Vorstellungen der jeweiligen Komponisten bewegen wollten, noch nie ausgereicht. Gerade im Barockzeitalter gingen die Musiker ja viel freier mit Vorlagen um, improvisierten und veränderten, stets dem Ziel folgend, das Live-Erlebnis einer Konzertaufführung noch einmal zu potenzieren. Unverfälscht und spontan, ja im eigentlichen Sinne „back to the roots“ sollte nun auch die Neueinspielung vom Concerto Köln unter der Leitung von Konzertmeister Shunske Sato, von Vivaldis Klassikhit „Vier Jahreszeiten“ werden. „Haargenau folgen, was auf dem Blatt steht“, sagt Sato, „das ist eine Vorstellung, die den Musikern bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts komplett fremd war. Fantasie, Persönlichkeit und eine eigene Meinung über ein musikalisches Werk wurden erwartet.“ Sato und das Concerto Köln wagten in den Fußstapfen alter Künstler, die nicht wie sie über brillante Aufnahmetechniken verfügten, einmal das Experiment, den Zyklus ohne Abbruch und Neubeginn in einem Rutsch durchzuspielen und den Take ohne jede Nachbearbeitung zu veröffentlichen. Kein Schnitt und kein gefälschter Übergang trüben das Bild dieser ungewohnt authentischen Aufnahme. In der Kempener Paterskirche haben sich die Musiker ganz darauf verlassen, dass die Musik im Raum arbeitet und der Raum seinerseits Überraschungen bereithält.

Concerto Köln – The Four Seasons (Berlin Classics/Edel) CD 0300829BC / LP 0300830BC // ab 07.10.2016 im Handel