Daniil Trifonov // Transcendental

17_trifonovWas Daniil Trifonov mit seinen Händen mache, schwärmte Martha Argerich, sei technisch einfach unglaublich. Sein Anschlag habe sowohl etwas Zärtliches als auch dämonische Elemente. Voraussetzungen, die zur Musik eines Komponisten wie Franz Liszt zweifellos in besonderer Weise passen. Liszt, der kompromisslos wie kaum ein anderer die Harmonik und die Ästhetik der beginnenden Moderne vorwegnahm, schuf Klavierwerke voll greller Kontraste, Werke, in denen sich traditionelle Formen auflösen und sich ein erzählerisches, vor allem aber dramatisches Element Bahn schlägt. Der auch wegen seiner gefühlvollen Chopin-Interpretationen hoch gelobte Trifonov weiß um seine Verantwortung im Umgang mit Liszts oft bodenloser, eruptiver musikalischer Sprache. „Die kleinste Verschiebung einer vorgefassten Absicht kann sofort eine gesamte Änderung der Klangfarbe nach sich ziehen“, sagte er einmal in Bezug auf Chopin. Gleiches gilt für Liszt. Hier nun widmet sich Trifonov ausgewählten Liszt-Etüden, darunter die genialen Paganini-Etüden wie das Bravourstück „La Campanella“ und die „Transzendentalen Etüden“. Wie sehr Liszt mit dem letztgenannten Zyklus gerungen hat, zeigt die Tatsache, dass er sie insgesamt zweimal umgearbeitet hat. Liszts Werke begleiten Trifonov seit Langem. Wie sehr Liszt ihm liegt, hat der Russe in seinen Live-Konzerten besonders gern mit Aufführungen der Klaviersonate h-Moll unter Beweis gestellt.

Daniil Trifonov – Transcendental (Deutsche Grammophon/Universal) 2CD 4795529 // ab 07.10.2016 im Handel