Christina Pluhar & L’Arpeggiata // La Tarantella – Antidotum Tarantulae

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Wer beanspruche, auhentisch zu sein, sagte Christina Pluhar einmal über die Originalklang-Protagonisten bei „Spiegel Online“, der befände sich längst auf dem falschen Dampfer. Anstatt historischen Spielweisen verkrampft nachzueifern, von denen wir sowieso nicht wissen, ob sie jemals so geklungen haben, fand die Lautenistin und Harfenistin mit ihren Mitstreitern zu einem historischen Klangbild, das in seiner freien Spielbegeisterung lebendiger und origineller kaum sein könnte. Auf „La Tarantella“ geht es der Österreicherin nicht nur um die aufgekratzten wilden Tarantellas im Dreiachtel- und Sechsachteltakt, die sich vor allem in Süditalien herausgebildet hatten, sondern auch das beruhigende Gegengift „Antidotum tarantutale“. Die Wildheit der Tarantella ist ja der wenig beliebten Namensgeberin, der Spinne Lycosa tarantula, geschuldet, die ihre angestochenen Opfer angeblich wüst herumspringen lässt. In Athanasius Kirchers Vokalstück „La Carpinese“ aus den „tradizione pugliese“ ist die Stimmung eher besänftigend im Gegensatz zu der kastagnettenklappernden „Tarantella Napolitana, tono hypodorico“. Die italienische Sängerin Lucilla Galeazzi und der Tenor Marco Beasley loten mit Pluhar und dem Ensemble L’Arpeggiata auch in Ambrogio Sparagnas „Sogna fioe mio“ und Giuseppe De Vittorios „Tu bella ca lu tieni lu pettu tundu“ die ganze Bandbreite des Repertoires aus. Das Erfolgs-Album von 2002, nun erstmals auf Vinyl erschienen.

Christina Pluhar & L’Arpeggiata – La Tarantella – Antidotum Tarantulae (Alpha/note 1 music) 2LP ALP541 // ab 04.11.2016 im Handel