Alexander Krichel // Miroirs

In Alexander Krichels Interpretation von Maurice Ravels „Gaspard de la nuit“ läuft dem Hörer wahrlich ein Schauer über den Rücken. In den aus Motiven romantischer Schauergeschichten entlehnten Sujets dieses Klavierzyklus’ findet der junge Pianist und große Ravel-Verehrer zu teilweise unwirklich schwebenden Klangkaskaden. Etwa dort, wo die Wasserfee Undine durchs Wasser gleitet, umgeben von Wellen und Strudeln, aber trotzdem leicht und unerreichbar. Krichel malt die Bilder dieser Musik wie ein Impressionist seine Gemälde mit changierenden Farben. Konturen werden ganz bewusst verwischt, und doch ist die Klarheit und Brillanz seines Spiels einzigartig. Er folgt dabei ganz dem französischen Dichter Stéphane Mallarmé, der einmal sagte, im Impressionismus gehe es nicht darum, eine Sache abzubilden, sondern es solle die Wirkung abgebildet werden, die sie auslöst. So schwirren die „Noctuelles“, die flatternden Nachtfalter im ersten Satz von Ravels „Miroirs“, zwar unruhig herum, sie lösen aber ebenso ein Gefühl des Spukhaften, Geheimnisvollen und Rätselhaften aus. Das Stück „Le Tombeau de Couperin“, das Krichel als „helles, fast unschuldig wirkendes Stück“ bezeichnet, erhält mit seinen neoklassizistischen Anklängen an den Barockkomponisten François Couperin noch ganz andere Dimensionen. Hier geht es um Tänzerisches, um das Spiel mit alten Formen, um Licht und Schatten und Ravels unvergleichliche Kunst der Kontraste.

Sony Classical CD 88985377642 // ab 03.02.2017 im Handel