Sonya Yoncheva // Händel

Kein Komponist des Barockzeitalters war ein größerer Dramatiker als Georg Friedrich Händel. In seinen Opern sind die Psyche, die Emotionen und die Motive der Handelnden so plastisch greifbar, dass der Spannungsbogen nicht eine Sekunde gebrochen wird. Für die junge bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva, die im September vergangenen Jahres so erfolgreich für Anna Netrebko als Norma am Royal Opera House einsprang und mittlerweile als beste Traviata der Welt gilt, war die Barockoper schon immer ein besonderer Schwerpunkt. „Ich denke nicht übers Singen nach“, sagte sie einmal, „sondern übers Geschichtenerzählen.“ Dazu gibt ihr Händel die besten Stoffe an die Hand. Seine Frauenfiguren sind durchweg starke Persönlichkeiten, die den oft diktatorischen Männern in ihrem Umfeld die Stirn bieten. Aus Händels „Giulio Cesare in Egitto“ singt Yoncheva die leidenschaftliche Arie „Se pietà di me non senti“, in der auch die verletzliche Seite der sonst so selbstbewussten Herrscherin Kleopatra zum Ausdruck kommt. Einfühlsam begleitet von der Academia Montis Regalis unter Alessandro de Marchis Leitung kommt Yonchevas wandlungsfähiger, schlanker Sopran so richtig zur Geltung. Nicht weniger eindrucksvoll gestaltet sie die Arie „Ah! mio cor! schernito sei!“ der bemitleidenswerten Zauberin Alcina, die mit ihren Liebhabern wenig zimperlich umging, dann aber auf den Ritter Ruggiero trifft, dem sie aus Liebe ihre Zauberkraft opfert. Ein Opfer ist auch die Christin Theodora, die für ihren Glauben und ihre Liebe zum römischen Offizier Didymus gegen die Übermacht des römischen Reiches kämpft. Ein Höhepunkt des Händel-Albums ist die Arie „Pensieri, voi mi tormentate!“ aus der Oper „Agrippina“. in der die ganze Skrupellosigkeit der Hauptfigur deutlich wird. Der einzige nicht von Händel stammende Beitrag ist die Arie „Thy hand, Belinda … When I am laid in earth“ aus der Oper “Dido And Aeneas” von Henry Purcell.

Sony Classical CD 88985302932 // ab dem 03.02.2017 im Handel