David Fray // Chopin: The Piano Works

An Chopin interessiert den 35-jährigen französischen Pianisten David Fray besonders das Fragile, Unvorhergesehene und Formbare. In Bezug auf sein erstes Chopin-Album sprach er von der Kunst beim Interpretieren dieser Musik, die Inspiration jeweils aus dem Moment heraus zu schöpfen. Chopins einzigartige Werke sind niemals planbar, weshalb Frays Herangehensweise zuweilen auch tastend, ja improvisatorisch zu klingen scheint. Der Pianist hat mit diesem Album einen Damm gebrochen. Immerhin hatte er Chopins Werke seit fünfzehn Jahren nicht mehr öffentlich gespielt. Weshalb das so ist, begründet Fray mit den Worten: „Eine in sich geschlossene Welt. Eine Insel! Es hat mir ein bisschen Angst gemacht. Jetzt fühle ich mich freier als zuvor.“ Die Freiheit im Umgang mit der Polonaise Fantaisie op. 61, dem letzten großen Klavierwerk Chopins, ausgewählten Nocturnes wie op. 9 Nr. 2, op. 55 Nr. 2, dem Walzer As-Dur op. 69 Nr. 1 oder der Mazurka op. 63 Nr. 2 muss jedoch stets aufs Neue erkämpft werden. Chopins Poesie ist tief und komplex. Die starken Ausdruckswellen kontrolliert Fray hinreißend, und die Kantabilität der Melodik Chopins ist für ihn Anlass genug, ein „Album des Gesangs – und vor allem der Freiheit“ entstehen zu lassen. Und tatsächlich, das zeigen ja auch viele andere Aufnahmen dieses großen Pianisten, ist es immer eines seiner Hauptziele gewesen, das Klavier in ein singendes Instrument zu verwandeln.

Erato/Warner Music CD 9029589647 // ab 03.02.2017 im Handel