Christian Gerhaher & Martin Walser // Die schöne Magelone

Manchmal bedarf es nur eines Anstoßes, um aus einer kleinen Idee etwas revolutionär Neues entstehen zu lassen. Es war Dieter Borchmeyer, der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der den gefeierten Bariton Christian Gerhaher und den Schriftsteller Martin Walser zusammenbrachte.Bei dieser Begegnung war Ludwig Tiecks Prosatext „Die schöne Magelone“, aus dem Johannes Brahms einzelne Gedichte für seinen Liederzyklus adaptiert hatte, ein Thema. Gerhaher klagte über den Stil der Tieckschen Sprache, und der Austausch mit dem Schriftsteller hat Gerhahers Neuinterpretation des Zyklus maßgeblich beeinflusst. In Walsers Augen singt Gerhaher, „wie schon lange nicht mehr gesungen wird. Und er hat in Gerold Huber auch den genuinen, also geborenen Begleiter.“ Viele Sänger machen um das geniale Vokalwerk des großen Brahms eher einen Bogen. Das galt bis zu diesem Zeitpunkt auch für Christian Gerhaher. Nicht nur die komplexe Vertonung der Gedichte, die aus dem Prosazusammenhang gerissen wurden, waren dafür ein Grund, sondern auch das Sujet in Gestalt eines Ritterromans nach alter Volksbuchtradition, in dem es um die Liebe des Peter von Provence, einem edlen Ritter, zu Magelone, der Tochter des Königs von Neapel, geht. Gerhahers und Hubers subtile Interpretation dieser Lieder eröffnet einen völlig neuen Zugang zu diesem schwierigen, aber immens schönen Werk.

Sony Classical 2CD 88985311022 // ab dem 03.03.2017 im Handel