Isabelle Faust & das Freiburger Barockorchester // Mendelssohn: 5. Violinkonzert

Es war eine neue Erfahrung für die Geigerin Isabelle Faust, die einiges über den Haufen warf, was sie im Umgang mit Mendelssohns Violinkonzert e-Moll einmal gelernt und in über 30 Jahren persönlicher Interpretationsgeschichte für schön und richtig empfunden hatte. Das Werk mit den himmlischen Ohrwürmern und der permanent abverlangten Virtuosität wurde zu Mendelssohns Lebzeiten wohl weit schroffer und unmittelbarer gespielt, als wir es heute im Ohr haben. Das hat der Musikwissenschaftler Clive Brown herausgefunden, nachdem er sich ausgiebig mit historischen Quellen der Geiger Ferdinand David, Joseph Joachim und anderer Zeitgenossen des Komponisten beschäftigt hatte. Diese nämlich hinterließen hochinteressante Hinweise zu Spieltechniken, Fingersätzen, Bogenstrichen und Aufführungsanweisungen aus persönlichen Gesprächen mit Mendelssohn. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse spielte Faust den Klassiker mit dem Freiburger Barockorchester unter Leitung des Kenners historischer Aufführungspraxis Pablo Heras-Casado in einem ganz ungewohnten Klangbild ein. Die Betonungen überraschen dabei ebenso wie die Tempi oder die in den Bläsern oftmals rauen Klangfarben. Das gilt auch für die ebenfalls enthaltene Hebriden-Ouvertüre und die Reformations Sinfonie mit ihrem strahlenden Choral „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“

Harmonia Mundi CD HMM 902325 // ab 18.08.2017 im Handel