Mariss Jansons & Symphonieorchester des BR // Mahler: 5. Symphonie

Die positive Ausstrahlung von Mariss Jansons bei Liveauftritten mit seinem Symphonieorchester des BR sind einfach mitreißend. Oft beklatscht der
Maestro sein Orchester voller Begeisterung selbst und lässt viele Stimmführer beim Schlussapplaus persönlich auftreten. Diese enge Beziehung zum Orchester prägt alle Produktionen des Rundfunkorchesters mit seinem Chefdirigenten. Erst recht die Aufnahmen der Mahler-Sinfonien, für die Mariss Jansons eine ganz unverwechselbare Sprache gefunden hat. Nun erscheint die Fünfte Sinfonie in einem Mitschnitt vom März 2016. Es ist eine von Mahlers beliebtesten, aber auch komplexesten Sinfonien, markiert sie doch einen stilistischen Neubeginn seiner sinfonischen Arbeit. Jansons sagt über sie: „Diese Sinfonie hat so viel Drama. Im zweiten und dritten Satz gibt es Humor und Sarkasmus, und dann plötzlich kommt die Beruhigung – etwas Wunderbares.“ Die Fünfte sei ein verfluchtes Werk, niemand kapiere sie, klagte Mahler einmal. Dem Scherzo aus diesem Werk prophezeite er in seiner zum Pessimismus neigenden Charakterart gar ein langes Leiden. Drei Jahre brauchte der Komponist, um das Werk, an dem er auch grübelnd in seinem berühmten Komponierhäuschen am Wörthersee gearbeitet hatte, fertigzustellen und mühsam zu instrumentieren. Nach der ersten Leseprobe mit den Wiener Philharmonikern arbeitete der Komponist das gesamte, alles andere als knapp besetzte Schlagwerk noch einmal komplett um. Obwohl er für die Fünfte kein Programm verfassen wollte und sich zu den außermusikalischen Hintergründen auch nie konkret äußerte, scheint eingeheimes Konzept mitzuschwingen. Im plötzlichen Einbrechen seiner musikalischen Gestalten zerstört Mahler oft jede Art von Illusion, nicht ohne unmittelbar danach wieder neue Illusionen zu schaffen.

BR-Klassik / Naxos CD 900150 // ab 25.08.2017 im Handel