Jonas Kaufmann // L’Opéra

Das Repertoire von Jonas Kaufmann ist riesig. Seit vielen Jahren schon hegt der Wagner-Tenor eine besondere Vorliebe für das französische Repertoire, das ganz eigene Anforderungen an seine Stimme stellt. Die bewegende Lyrik, das Zarte und Zurückhaltende in der Arie „Elle ne croyait pas, dans sa candeur naive“ aus Ambroise Thomas’ Oper „Mignon“ erfordert ein Höchstmaß an Flexibilität und Kontrolle. Kaufmann ist in der Lage, ein Pianissimo zu singen, das man so klar und so glänzend wahrlich selten zu hören bekommt. Großartig spiegelt sich Kaufmanns Stimmkunst in der aufs Feinste ausgewogenen Begleitung des Bayerischen Staatsorchesters unter der Leitung von Bertrand de Billy. Schwebend zart klingen die Streicher in „La fleur que tu m’avais jetée“ aus Bizets „Carmen“, wenn sich Kaufmann am Ende dieses zauberhaften Stückes in höchsten Höhen bewegt. Auch die Holzbläser des Bayerischen Staatsorchesters faszinieren mit einer unerhört edlen Tongebung. Immer wieder betont Jonas Kaufmann seine Begeisterung für das französische Repertoire, das er, wie er sagt, tief in sein Herz geschlossen habe. Natürlich erinnert er sich gern an seine ersten französischen Rollen als Wilhelm Meister in Thomas’ „Mignon“ und an Massenets „Werther“, in der er an der Pariser Oper einst debütierte. Etwas beschämt erinnert sich Kaufmann an seine schlechten Französischkenntnisse, damals im Jahr 2001 in Toulouse, als er sich in der Gegenwart des „Mignon“-Regisseurs Nicolas Joel schwor, an seiner Sprache auf jeden Fall noch zu arbeiten. Ganz bewusst entschied sich Kaufmann bei seinem neuen Album „L’Opéra“ nicht nur für die absoluten Publikumslieblinge des französischen Repertoires. Im Gespräch mit Thomas Voigt sagte er: „Ich wollte nicht nur die üblichen Highlights versammeln, sondern auch die Werke und Rollen, die für mich Schlüsselerlebnisse waren.“ Zu den Raritäten zählen zweifellos die Arien „Puisqu’on ne peut fléchir … Au fond du temple saint“ aus Edouard Lalos „Le Roi d’Ys“, einer Oper nach einer bretonischen Legende über den Untergang der Stadt Ys. Wunderbar singt Kaufmann auch die mit einem Trillerflirren der Flöten und einem herrlichen Klarinettensolo anhebende Arie „Pays merveilleux“ aus Meyerbeers „L’Africaine“. In Massenets „Manon“ stehen zudem noch Sonya Yoncheva und in Bizets „Les Pécheurs de Perles“ Ludovic Tézier an Kaufmanns Seite.

Sony Classical CD 88985390762 / Deluxe Edition (CD) 88985390832 / 2LP 88985390761 (2LP ab 29.09.) // ab dem 15.09. im Handel