Marc-André Hamelin & Leif Ove Andsnes // Strawinsky: Werke für zwei Klaviere

Bei dieser polyrhythmischen Verflechtung, den unerwarteten Umschaltungen und Sprüngen im Metrum sowie den messerscharfen Akzenten kommen regelmäßig auch Orchestermusiker und ihre Dirigenten ins Schwitzen. Igor Strawinskys dritte große Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ ist ein Schlüsselwerk der Moderne: kühn, aufreizend, harmonisch bizarr und in vieler Hinsicht radikal. Nun haben die beiden Weltstars Marc-André Hamelin und Leif Ove Andsnes das Jahrhundertwerk im Rahmen einer ersten gemeinsamen Aufnahme in der Version für zwei Klaviere eingespielt. Tatsächlich hatte Strawinsky diese Fassung für zwei Klaviere vor der legendären Uraufführung seines „Sacre du Printemps“ 1913 im neugebauten Pariser Théâtre des Champs-Élysées angefertigt, bei der das Publikum lachte, stampfte und schimpfte. Auch für die Konzeption dieses orchestralen Feuerwerks bedeutete das Klavier für ihn, wie bei vielen anderen seiner Kompositionen, ein unverzichtbares Werkzeug zur Vorbereitung. Dass wenige Tage vor der Skandal-Uraufführung die Fassung für zwei Klaviere dann von keinen Geringeren als ihm selbst und dem Impressionisten Claude Debussy in privatem Rahmen vorgestellt wurde, reizte viele Pianisten der Nachwelt natürlich, sich ebenfalls damit auseinanderzusetzen. Bis auf wenige kleinere Änderungen im Notentext haben Hamelin und Andsnes diese Version nun bei Hyperion zu einer genialen Einspielung gebracht. Auch wenn sie mit wuchtigen Schlägen und scharfen Diskanttönen die ganze Farbigkeit der Partitur aufgreifen, erliegen die beiden nicht der Versuchung, einen Orchesterklang auf den Flügel übertragen zu wollen. Die Klavierversion zeigt aber noch deutlicher die ganze Komplexität der Sacre-Partitur.

Hyperion/Note 1 Music CD CDA68189 // ab 02.02.2018 im Handel