Gautier Capuçon // Intuition

Der Albumtitel sagt schon viel. Alle kurzen Stücke für Solo-Cello mit Klavier- oder Orchesterbegleitung wurden vom Cellisten Gautier Capuçon persönlich ausgewählt. „All diese Stücke“, sagt Capuçon, „reflektieren meine Lebensgeschichte und folgen in verschiedensten Abschnitten meiner emotionalen Entwicklung.“ Man braucht nur Elgars romantisches „Salut d’amour“ zu hören, um eine Ahnung von der tiefen Durchdringung der kompositorischen Idee zu erhalten. Der oft zur besseren Beschreibung herangezogene Begriff des „singenden Cellos“ erhält hier eine ganz neue Qualität. Es ist fast so, als begänne das Instrument in Capuçons Händen zu leben. „In der Musik, im Leben ist die Kommunikation die Essenz von allem“, so der Bruder des Geigers Renaud Capuçon, „jeder teilt etwas davon.“ Auf der CD gibt es Stücke zum Träumen wie Jules Massenets Meditation aus „Thaïs“. Massenet schrieb die Oper 1890 auf der Grundlage des gleichnamigen historischen Romans von Anatole France, der um die antike Figur der ägyptischen Heräre und Eremitin Thaïs kreist. Capuçon spielt die Kantilene, begleitet vom Orchestre de chambre de Paris, voller Inbrunst und Klangschönheit. Gleich das folgende Stück „Encore“ von Jérôme Ducros ist mit seinen rasenden Läufen und Sprüngen und den harten Klavierakzenten mit dem Komponisten selbst als Klavierbegleiter ein krasser Kontrast dazu. Der kompositorische Wurf ist ein Virtuosenstück par excellence, eine handwerkliche Meisterleistung, die von beiden Interpreten großartig gespielt wird. Zu dieser klingenden Autobiografie gehört auch der berühmte „Schwan“ aus Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“. Zarter und hingebungsvoller kann man den Klassiker der Celloliteratur kaum spielen. Weitere Highlights: der „Elfentanz“ des böhmischen Cellisten und Komponisten David Popper, die „Variationen auf einer Saite“ des Teufelsgeigers Niccolò Paganini, Tschaikowskys Andante cantabile, Scott Joplins „Original rag“ und Astor Piazzollas „Le grand tango“. Das Album ist eine Sammlung, die Capuçon auch als eine Art Standortbestimmung verstanden wissen will: „In den letzten zehn Jahren meines Lebens ist viel geschehen“, berichtet der Cellist. „Ich musste ein neues Selbstverständnis als Vater zweier wunderbarer Töchter finden. Das war für einen wie mich, der bis dahin pausenlos ein Zickzackmuster als Musikreisender um den Globus zog, eine echte Herausforderung. Die Suche nach mir selbst, die folgte, brachte mich meiner Intuition wieder näher.“ Das Album erscheint auch in einer Sonderedition mit zusätzlicher DVD und als LP.

Erato/Warner Music CD 9029571585/CD + DVD 9029588395/LP 9029568760 // ab 02.02.2018 im Handel, LP ab 23.02.2018