Ludwig Güttler // Edition Europa

Es sagt viel aus, wenn ein weltweit bekannter Trompetensolist wie Ludwig Güttler für sein neues Projekt den Titel „Edition Europa“ wählt. In den Augen des gebürtigen Erzgebirglers, der die Wiedervereinigung Deutschlands als großes Geschenk empfand und die Entwicklung des europäischen Kontinents künstlerisch seit Jahrzehnten begleitet, wurde Europa schon Jahrhunderte zuvor durch Musik geeint. Der Austausch zwischen praktizierenden Musikern und Komponisten unterschiedlicher Länder war schon zu Georg Philipp Telemanns Zeiten rege und fruchtbar. Telemann reiste gern, beobachtete und adaptierte Einflüsse genau wie Mozart, der von seinem Vater bereits als Kind auf „Europatournee“ geschickt wurde. Kurz vor seinem 75. Geburtstag am 13. Juni 2018 vereint Ludwig Güttler nun mit seinen Virtuosi Saxoniae und den Bläsersolisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden Kammerharmoniewerke von Bach bis Dvořák, die all das widerspiegeln. „Reisen bereichern Persönlichkeit und Personalstil“, meint der Trompeter, „und wirken so auf die Arbeit des Komponisten an jedem Ort weiter. Mozart ist ein Beispiel für das in den Jahrzehnten um 1800 gewachsene Interesse, mit eigenen Werken aufzutreten, sich also sowohl als Komponist als auch als Interpret zu vermarkten. Und Vermarkten bedeutet verbreiten – auch über politische Grenzen hinweg. Später wurde das reisende Virtuosentum immer ausgeprägter.“ Ein Album der vier CDs umfassenden „Edition Europa“ ist deshalb auch Mozarts Bläserserenade Nr. 10 B-Dur, ein anderes der Serenade Nr. 6 D-Dur für zwei Streichorchester und Pauken sowie der „Linzer Sinfonie“ gewidmet, die Güttler mit den Virtuosi Saxoniae eingespielt hat. Wahre Schätze enthalten die beiden Barock-Alben mit dem Konzert für zwei Corni da caccia F-Dur RV 539 von Vivaldi und dem Konzert für Corno da caccia, Streicher und B.c. Es-Dur von Johann Baptist Georg Neruda. Auch das nicht so häufig zuhörende Capriccio Nr. 5 G-Dur für zwei Corni da caccia, zwei Oboen, Fagott, Streicher und B.c. ZWZ 190 von Jan Dismas Zelenka ist eine Entdeckung. Virtuos und großartig geblasen klingt die Serenade d-Moll für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, Kontrafagott, drei Waldhörner, Violoncello und Kontrabass von Dvořák. „Mitunter sind es weite Wege“, sagt Güttler über den Austausch der Komponisten untereinander, „die dann ein Indiz dafür liefern, dass es sich in der Tat um Robustes, Langlebiges, Außergewöhnliches – eben um Meisterwerke handelt.“

Berlin Classics/Edel 4CD 0301066BC // ab 27.04. im Handel