Jean-Guihen Queyras // Vivaldi: Sonatas For Violoncello & Basso

Verbreitet haben sich die sechs Cellosonaten von Antonio Vivaldi in Europa zunächst über einen Raubdruck. Ohne Wissen des Komponisten gaben die Pariser Verleger Le Clerk der Jüngere und Madame Boivin im Jahr 1740 die Werke mit etlichen editorischen Eingriffen heraus. Glücklicherweise ist die Handschrift eines Kopisten aus Vivaldis Umfeld erhalten geblieben, sie liegt heute in der Bibliothèque Nationale de France.

Und man braucht nicht extra zu erwähnen, dass die Solisten Jean-Guihen Queyras, Michael Behringer, Lee Santana und Christoph Dangel bei dieser Einspielung auf das authentische Material zurückgegriffen haben. Die vermeintliche Leichtigkeit der Werkserie für den Cellosolisten, die offenbar für einen Amateur entstanden war, ist trügerisch. Vivaldi folgte ganz dem Zeitgeist der Kammersonate seiner Zeit. Der Cellist Jean-Guihen Queyras entdeckte bei seiner Beschäftigung mit dem Zyklus etliche vielschichtige Details. Etwa in der fünften Sonate, die mit einem Oktavsprung,  gefolgt von der fünffachen Wiederholung des Tons E, erklingt. Bewusst hat er dieses Werk an den Anfang des Albums gestellt, was sowieso legitim ist, weil Vivaldi den Zyklus mit Sicherheit nicht chronologisch verfasst hat. „Ich glaube“, gesteht Queyras, „diese Musik umhüllte schon immer mein tägliches Leben auf eine völlig natürliche, vertraute und fast organische Weise.“

harmonia mundi CD HMM 902278 // ab 14.09.2018 im Handel