Lucerne Festival: Nathan Milstein spielt Mendelssohn & Dvorak

Der Ton des 1992 verstorbenen Geigers Nathan Milstein war so charakteristisch und eigenwillig, dass man ihn beim reinen Hören sofort diesem Ausnahmesolisten zuordnen konnte. Der amerikanische Geiger ukrainischer Herkunft war ein ungemein ausdrucksstarker, selbstbewusster Musiker, dessen Einspielungen der Sonaten und Partiten von Bach Kultstatus erreicht haben. Milstein ließ, wo es ihm wie zum Beispiel im Violinkonzert von Brahms nötig erschien, die Geige auch mal rau klingen.

Er fesselte seine Zuhörer mit feurigen Steigerungen und unsentimentalem, geradlinigem Spiel und riss sie förmlich mit. Am Ende seines Lebens erlitt der Weltstar dann einen so komplizierten Handbruch, dass er seine gefragten und bewunderten Auftritte nicht fortsetzen konnte. In der schon mehrere CDs umfassenden „Lucerne Festival“-Reihe erscheinen nun bei Audite die zum ersten Mal veröffentlichten Aufnahmen des Violinkonzerts op. 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy und des Violinkonzerts op. 53 von Antonin Dvorák mit „Nathan dem Großen“, wie der Geiger in Anlehnung an das bekannte Lessing-Stück scherzhaft genannt wurde. Dabei dreht es sich um Aufnahmen des Labels, die im Rahmen der Luzerner Festwochen 1953 und 1955 entstanden waren. Milstein wird bei beiden Werken vom Swiss Festival Orchestra begleitet. Einmal leitet Igor Markevitsch das Ensemble, ein anderes Mal Ernest Ansermet, die beide Pultlegenden waren.

Audite/note 1 music CD ADT95646 // ab 07.09.2018 im Handel