Sol Gabetta // Schumann

 

Zu den von Sol Gabetta favorisierten und vor allem eingespielten Cellokonzerten gehören ja die Konzerte von Dmitri Schostakowitsch, Edward Elgar, Bohuslav Martinů oder Beethovens Tripelkonzert. Auf eine Einspielung von Robert Schumanns Cellokonzert a-Moll op. 129 der einzigartigen Argentinierin haben wir indes lange warten müssen. Nun füllt die „Sängerin auf dem Cello“ diese Lücke in ihrer Diskografie und wählte sich zur Begleitung das exklusive Kammerorchester Basel unter der Leitung von Giovanni Antonini aus.

Für Gabetta sagt das Spätwerk des Romantikers aus dem Jahr 1850, als Schumann gerade seine Stelle als neuer Musikdirektor in Düsseldorf angetreten hatte, viel über die Zeit seiner Entstehung, aber auch über den Seelenzustand des Komponisten aus. Seine angespannte psychische Verfassung zeigte zweifellos schon Anzeichen der Krise, auf die Schumann zusteuerte. Die neuen Aufgaben am Rhein aber lösten einen wahren Schaffensrausch bei ihm aus. Sein erstes großes Werk für Cello und Orchester wollte Schumann zuerst „Concertstück“ betiteln, womit er die übliche Trennung der Sätze eines klassischen Konzerts abschwächen und das Werk einem poetischen Fluss unterwerfen wollte. Dass das Werk mit einem eher melancholischen ersten Satz eher vergrübelt und in sich gekehrt anhebt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schumann zur Zeit der Niederschrift des Werkes in nur zwei Wochen in bester Stimmung war. Mit dem träumerischen langsamen Satz, der auch an die Stimmung vieler seiner Lieder erinnert, wird jede Bedrückung verdrängt. Am Ende stürzt ein temperamentvolles Finale mit einprägsamen, zuweilen volkstümlichen Themen den Hörer in einen Strudel der Euphorie. „Schumanns emotionalen Zustand“, interpretiert Sol Gambetta die Stimmung des Werkes, „spürt man in der Musik. Alles ist wie aus einem Guss!“.

Wie aus einem Guss wirkt nicht nur die Stimmung in Schumanns Cellokonzert, sondern auch Sol Gambettas Seelenverwandtschaft mit dem französischen Pianisten Bertrand Chamayou. Wie so oft in ihren CD-Einspielungen verbindet Gabetta ein zentrales Orchesterwerk mit der Kammermusik eines Komponisten. Hier präsentieren die langjährigen Kammermusikpartner Schumanns intime „Fantasiestücke“ op. 73, die es ja auch in Fassungen für Violine oder Klarinette gibt, sowie das „Adagio und Allegro” op. 70 und die „Fünf Stücke im Volkston“ op. 102.

Sony Classical CD 88985352272 // ab 30.11.2018 im Handel