François-Xavier Roth & Les Siècles // Berlioz

Der Dirigent François-Xavier Roth ist ebenso ein Spezialist für die Moderne wie für die historische Aufführungspraxis. Bis 2016 hat er das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg geleitet, jenes Orchester also, das die Avantgardemusik zu seinem Schwerpunkt erklärt und etliche Uraufführungen realisiert hat. Nun veröffentlicht Roth mit dem 2003 von ihm gegründeten französischen Ensemble „Les Siècles“, das auf historischen Instrumenten spielt, eine Berlioz-Aufnahme zum 150. Todesjahr des revolutionären Romantikers, Musikschriftstellers und -theoretikers.

„Berlioz gehört quasi seit der Gründung des Orchesters zu dessen Geschichte“, sagt Roth, „und er ist ganz besonders präsent, seit wir uns mit seinem Geburtsort La Côte-Saint-André zusammengetan haben, wo wir jedes Jahr im Festival Berlioz auftreten.“ In Roths Augen war Berlioz zu seiner Zeit ein Avantgardist, der mit orchestrierten Liederzyklen wie „Les nuits d’été“ Wege beschritt, die später von Mahler im Übergang zum 20. Jahrhundert weiterverfolgt wurden. Mit dem Bariton Stéphane Degout gelingt Roth eine facettenreiche Einspielung der für verschiedene Stimmlagen konzipierten Sommernächte. Außergewöhnlich ist auch die mit Tabea Zimmermann hier eingespielte Sinfonie für Bratsche und Orchester „Harold en Italie“, bei der das Soloinstrument wie ein Erzähler rein instrumental durch die Geschichte führt.

Harmonia mundi CD HMM 902634 // ab 25.01.2019 im Handel