Joyce El-Khoury u.a. // Liszt: Sardanapalo

Es gibt sie immer wieder! Die großen Entdeckungen der Musikwissenschaft, die verschollen Geglaubtes oder Unvollendetes aus staubigen Archiven befreien und durch geschickte Restaurationen und Ergänzungen überhaupt erst aufführbar machen. So einen Fall hatten wir im Jahr 2016, als sich der Musikwissenschaftler David Trippett eine unvollendete Oper des großen Franz Liszt auf der Grundlage eines Lord-Byron-Stoffes vorknöpfte.

Trippett fand, dass sowohl die Partiturskizzen als auch das Libretto vom ersten inkompletten Akt der dreiaktigen Oper „Sardanapalo“ entzifferbar waren und wegen des sich andeutenden kontinuierlichen Verlaufs der Musik gut zu rekonstruieren waren. Er machte sich an die Arbeit und schuf eine Aufführungsfassung. Die daraus resultierende Ausgabe von Liszts Manuskript erscheint 2019 nun beim Mainzer Schott Verlag in einer kritischen Ausgabe für die Neue Liszt-Ausgabe sowie einer orchestrierten Aufführungsausgabe, in der auch Liszts Hinweise für die Orchestrierung kritisch aufgegriffen wurden. In Weimar gelangte das Werk am 19. und 20. August 2018 zur Uraufführung. Das Label Audite veröffentlicht nun den Mitschnitt dieses Ereignisses mit Joyce El-Khoury (Mirra), Airam Hernández (König Sardanapalo), Oleksandr Pushniak (Beleso) und der Staatskapelle Weimar unter Kirill Karabits Leitung. Die Oper erzählt vom letzten König Assyriens Sardanapulus, dem auch Hector Berlioz sein Oratorium „Der Tod des Sardanapalo“ gewidmet hatte. Liszt war bei der Uraufführung dieses Oratoriums zugegen, ließ sich aber zudem auch vom Gemälde „Opfer der Unschuldigen“ von Eugène Delacroix anregen, der das Sujet aufgegriffen hatte. Zur Einspielung kam neben „Sardanapalo“ auch die Sinfonische Dichtung „Mazeppa“, die von einem Pagen in der russischen Steppe erzählt, der zur Strafe für ein Vergehen auf den Rücken eines Pferdes gebunden und von Kosaken gerettet wurde.

audite/note 1 music CD ADT97764 // ab 08.02.2019 im Handel