Olga Peretyatko // Mozart +

Mozarts alles überragende Präsenz verstellt den Blick auf das, was auf den Bühnen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch so alles populär und durchaus als Konkurrenz zum Schaffen des Salzburgers anzusehen war. Klar, da haben wir Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn und Antonio Salieri. Wer aber erinnert sich noch an den Venezianer Tommaso Michele Francesco Saverio Traetta?

Der 1779 in Venedig gestorbene Komponist ist ein Vertreter der neapolitanischen Schule, dem die russische Starsopranistin Olga Peretyatko auf ihrem neuen Album „Mozart +“ nun ebenso Raum gewährt wie dem Spanier Vicente Martín Y Soler und Giovanni Paisiello. Traettas Operntragödie „Antigone“ entstand im Auftrag des russischen Hofs in St. Petersburg und wurde 1772 uraufgeführt. Just zu dem Zeitpunkt also, als Mozart in der Salzburger Hofkapelle zum Konzertmeister ernannt wurde. Die drei von Peretyatko ausgewählten Antigone-Arien lassen viele Parallelen zum frühen Mozart erkennen. Peretyatko singt sie in einer wunderbaren Ausdrucksvielfalt und mit einer Inbrunst genau wie die beiden Einlagearien Mozarts zu der Oper „Il burbero di buon cuore“ des Spaniers Vicente Martín Y Soler, die in Wien Mitte der 1780er-Jahre überaus erfolgreich war. Peretyatko stellt aber auch Arien aus „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“ oder „Die Entführung aus dem Serail“ einer Cavatina aus Giovanni Paisiellos „Il barbiere di Siviglia“ gegenüber.

Sony Classical CD 19075919052 // ab 08.02.2019 im Handel