Dorothee Oberlinger // Night Music

Da hat sich die Blockflötistin Dorothee Oberlinger einmal ein Thema ausgewählt, das wir sonst eher mit romantischem Repertoire verbinden als mit Barockmusik. Auf ihrem Album „Night Music“ hat sie nämlich Konzerte und Sonaten von Antonio Vivaldi und Stücke von Heinrich Ignaz Franz von Biber oder Jacob van Eyck eingespielt, die den Begriff der Nacht im Titel tragen oder sich mit Erscheinungen der Nacht auseinandersetzen.

Ein Jahrhundert später geriet das „Nachtstück“ bei E.T.A. Hoffmann ja zur literarischen Gattung und wurde von Schumann und Chopin musikalisch aufgegriffen. Hier verband es sich auch mit dem Gespenstischen und Unheimlichen, das Ängste in uns wachruft.

In der Barockmusik beschränkt sich die Nacht keineswegs auf das Dunkle und Verborgene. Hier bewegen sich Stücke wie Antonio Vivaldis Kammerkonzert g-Moll RV 104 „La notte“ oder das für Blockflöte arrangierte Konzert E-Dur „Il riposo“ RV 270 auch zwischen rauschenden Festen, Lust und Zärtlichkeit und dem Schattenhaften. Die Blockflötistin, Dirigentin und geschickte Dramaturgin, die ja auch die Potsdamer Musikfestspiele als Intendantin leitet, hat jedem Werk Vivaldis ein nächtliches Prélude vorangestellt. Darunter sind auch das selten zu hörende sephardische Schlaf- und Wiegenlied „Nani Nani“ aus dem spanischen Mittelalter oder ein Lied von Fratre Gerardo aus dem 16. Jahrhundert. Die Ciaconna aus Bibers Serenada à 5 A 877a von 1673 trägt den Titel „Der Nachtwächter“.

DHM/Sony Music CD 19075912522 // ab 05.04.2019 im Handel