Frieder Bernius, Kammerchor & Hofkapelle Stuttgart // Beethoven Missa solemnis

Für den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens im Jahr 2020 bringen sich nun alle in Stellung. Frieder Bernius und sein phänomenaler Kammerchor Stuttgart stehen da in der ersten Reihe, haben sie doch sowohl in Sachen Beethoven als auch bei Aufnahmen von Messkompositionen des frühen 19. Jahrhunderts revolutionäre Akzente gesetzt.

Wir erinnern uns noch gut an die preisgekrönte Referenzaufnahme von Beethovens „Missa in C“ op. 86 bei Carus, der Bernius damals ja die Weltersteinspielung von Luigi Cherubinis 1829 entstandenem „Sciant gentes“ hinzugefügt hatte.

Nach zehnjähriger Pause gibt es jetzt beim Kammerchor und der Hofkapelle Stuttgart eine neue Auseinandersetzung mit der Missa solemnis op. 123, diesem so unendlich schwergewichtigen und von allen Chören der Welt gefürchteten Chorwerk Beethovens. Natürlich spielt dem Kammerchor Stuttgart bei dieser Neuaufnahme die historische Stimmung von 430 Hz für die heiklen hohen Stimmtessituren in die Karten. Aber auch der schlanke Klang historischer Instrumente der Hofkapelle Stuttgart macht vieles leichter. Er hilft, an den vielen bizarren polyphonen Stellen von Beethovens Partitur die nötige Klangbalance zwischen Stimmen und Instrumenten herzustellen. Das war bei der Interpretation dieses Werkes ja schon immer schwierig. Erst recht, wenn der Chor gegen ein riesiges romantisch besetztes Sinfonieorchester ansingen muss. Bei Frieder Bernius nun aber ist der große Vorteil, dass der Kammerchor und die Hofkapelle Stuttgart so fantastisch gut aufeinander eingestimmt sind. Die Klanggruppen greifen bei diesem oft als sperrig betrachteten Werk, das doch so unendlich reizvoll ist, organisch ineinander. Ein adäquates, gut gewähltes Solistenquartett mit Johanna Winkel, Sophie Harmsen, Sebastian Kohlhepp, Arttu Kataja bereichert diese Produktion, die gleichzeitig den Auftakt des 50. Gründungsjubiläums vom Kammerchor Stuttgart markiert.

Carus/note 1 music CD CAR83501 // ab 05.04.2019 im Handel