Martin Kohlstedt & Gewandhauschor Leipzig // Ströme

Seine Stücke betrachtet der 31-jährige Komponist, Pianist und Produzent Martin Kohlstedt niemals als abgeschlossen. Sie entwickeln sich, sie entstehen bei jedem Auftritt neu und verändern ihre Struktur. Ein Projekttitel wie „Ströme“ passt daher gut zum Schaffen dieses außergewöhnlichen Musikers, der nicht nur mit Klavieren und Stimmen, sondern auch mit Elektronik und Fender Rhodes experimentiert.

Nachdem Kohlstedt mit etlichen Pop- und Elektronikkünstlern zusammengearbeitet hat, ist er nun eine Kollaboration mit dem Gewandhauschor Leipzig eingegangen. Schon der vor wenigen Monaten freigegebene Teaser NIODOM aus diesem Projekt gab ein eindrucksvolles Beispiel davon, was uns hier erwartet. Das Klavier spielt zwar immer noch eine dominante Rolle, Kohlstedts Musik aber arbeitet hier mit unterschiedlichsten Klangschichten, zu denen elektronische Sounds, Halleffekte und die Chorpartien ihren Beitrag leisten. Natürlich baut dieses Mammutprojekt auf all das auf, was Kohlstedt in seiner bewundernswerten Pionierarbeit bislang so entwickeln konnte. Da gibt es Bezüge zu seinem von ihm selbst als „modulares Kompositionskonzept“ bezeichneten Verfahren und seinen experimentellen Soundeffekten. Und wenn wir auf Kohlstedts Diskografie blicken, so ist das Album „Ströme“ auch als eine Vervielfachung dessen zu verstehen, was der Klangtüftler im Rahmen seines 2017 veröffentlichten Albums „Strom“ bereits mit rein akustischen Klavierstücken angesetzt hat.

Warner Classics CD 9029547105 / LP 9029547108 // ab 03.05.2019 im Handel