Gregory Porter // All Rise

Wie man sein Herz auf der Zunge trägt

VOCAL JAZZ/BLUES/SOUL Beinahe vier Jahre sind vergangen, seit eine der schönsten, samtigsten Baritonstimmen des zeitgenössischen Jazz mit ‚Take Me To The Alley‘ ihr letztes Album mit frischem Eigenmaterial herausgebracht hat. Nun meldet sich Gregory Porter mit seinem neuen, sechsten Studiowerk ‚All Rise‘ zurück. Gregory Porters Markenzeichen, eine dunkle Ballonmütze über einem Schlauchschal, der bis auf sein Gesicht den Kopf verhüllt, bedeutet nicht, dass er sich vor irgendetwas verstecken muss. 

Der Hipster, der sein Herz auf der Zunge trägt, findet stets die perfekte Balance zwischen Jazz, Soul, Blues, Funk und Gospel, zwischen Glauben, Liebe und Politik. Nachdem er 2017 den wunderbaren Nat-King-Cole-Tribut ‚Nat King Cole & Me‘ und zudem zwei europäische Konzertmitschnitte: ‚Live In Berlin‘ (2016) und ‚One Night Only: Live At The Royal Albert Hall‘ (2018) veröffentlichte, ist er wieder mit von ihm selbst verfassten Songs am Start. Unterstützt von seiner Band, einem Chor und Orchestermusikern hat der Sänger und Komponist das Album ‚All Rise‘ aufgenommen, das nur so von Liedern über unerschütterliche Liebe strotzt, gespickt mit ein paar aufmüpfigeren Songs, die belegen, dass der Weg zur Heilung selten eben ist. Vom wahren Leben erzählen Porters Texte, die durchdrungen sind von seiner unprätentiösen Alltagsphilosophie.

Nach Ausflügen ins Land der Jazz-Klassiker und großen Orchester zeigt der Sänger seine Fähigkeit, sich noch intensiver sowohl mit persönlichen Befindlichkeiten als auch mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinanderzusetzen. Für den Sänger und Songwriter stand fest, dass er mit dem von Troy Miller (Laura Mvula, Jamie Cullum, Emili Sandé) produzierten Album einen ganz speziellen Mix aus kraftvollem Groove und stimmlichem Schmelz, aus Soul, Jazz und Texten, die etwas zu sagen haben, präsentieren wollte. Wer würde ihm bei dem vorliegenden Ergebnis widersprechen wollen? „Ja, man könnte sagen, dass ich hier aufs Ganze gegangen bin“, so Porter über sein jüngstes Werk. Aufgenommen in den Londoner Abbey Road Studios und in den legendären Capitol Studios in Los Angeles, blickt der zweifache Grammy-Gewinner mit seinem Album ins Innere, nach oben und um sich herum und fand schließlich einen neuen „Daseinszweck“ in dem Titel ‚All Rise‘. „Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker“, glaubt Gregory Porter, der diese hart erkämpfte Doktrin laut und deutlich im bluesigen „Long List Of Troubles“ artikuliert, während er in „Merchants Of Paradise“ die Versklavung und den Handel mit Kindern aus Kriegsgebieten thematisiert. In der bläserlastigen Southern-Soul-Jam „Mister Holland“ setzt er sich auf ironische Weise mit Rassismus auseinander. Von unerwiderter Liebe singt der Crooner im Pop-Juwel „Merry Go Round“ und in Stücken wie „Faith In Love“, das einen funkigen Marvin-Gaye-Groove besitzt, und „Thank You“, das allen gewidmet ist, die Porter auf seinem Weg geholfen haben, geht es um die Komplexität der Liebe. Mit ‚All Rise‘ ist Gregory Porter auf dem Höhepunkt seines Schaffens angekommen.

 

Gregory Porter – All Rise (Blue Note/Universal) 2LP black Vinyl 602508619953 / 3LP ltd. Edt. Blue 602508620157 / CD (Ltd. Edt. Hardcoverbook) 602508620539 / CD (Digisleeve) 602508620355 // ab 28.8. im Handel